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NEWBORN: Der neugeborene Kosovo


Das NEWBORN-Monument steht in Pristina seit zehn Jahren für die Unabhängigkeit des jüngsten Staates Europas. Der Künstler dahinter, Fisnik Ismaili, setzt sich auch als Politiker mit den Problemen des Kosovos auseinander.

Auf den ersten Blick wirkt Pristinas NEWBORN-Monument etwas fehl am Platz. Umgeben von Plattenbauten aus sozialistischen Zeiten, erinnert es an längst vergangene Tage. Wer sich jedoch in den Straßen rings um das Wahrzeichen der Stadt aufhält, bemerkt, dass in der Hauptstadt des Kosovos ein frischer Wind weht. Trendige Cafés und Lokale säumen Pristinas Hauptstraßen, moderne Hochhäuser und Hotels werden errichtet und Baustelle für Baustelle ändert sich das Stadtbild.  

Ein Symbol der Unabhängigkeit – seit zehn Jahren

Seit 2008 ziert das NEWBORN-Monument den Platz vor Pristinas Jugend-, Kultur- und Sportpalast und hat sich inzwischen zu einer beliebten Destination für Touristen und Einheimische entwickelt. Sieben Großbuchstaben aus Metall bilden den Schriftzug „Newborn“ – eine Anspielung auf Kosovos „Geburt“ als Staat, nachdem das Land im Zuge des Kosovo-Serbien-Konfliktes im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit erklärte.

 

Newborn

Das Monument besteht aus sieben Metallettern, die jeweils drei Meter hoch sind. Foto: Markus Röck

 

Der Weg zur Unabhängigkeit war für den Kosovo jedoch ein langer. Bereits im 20. Jahrhundert kam es regelmäßig zu Spannungen zwischen den im Kosovo lebenden Serben und Albanern. Seinen Höhepunkt erreichte der Konflikt im Kosovokrieg, der in den Jahren 1998 und 1999 über 10.000 albanische und mehr als 2.000 serbische Todesopfer forderte – darunter auch Tote in der Zivilbevölkerung.

Fisnik Ismaili – der Mann hinter dem Monument

In diesem Krieg kämpfte auch Fisnik Ismaili. Der Künstler hinter dem Newborn-Monument war nach seiner Schulzeit nach Großbritannien ausgewandert, kehrte aber 1999 in den Kosovo zurück, um sich der paramilitärischen albanischen Armee UÇK anzuschließen. Im Einsatz war der Werber und Designer unter anderem in der Schlacht um Košare – der größten Auseinandersetzung des Krieges.

Nach Kriegsende 1999 befand sich der Kosovo unter der Verwaltung der Vereinten Nationen, die unter dem Namen UNMIK agierten. Am 17. Februar 2008 erklärte der Staat schließlich seine Unabhängigkeit von Serbien. Gleichzeitig enthüllte auch Fisnik Ismaili das NEWBORN-Monument vor tausenden Schaulustigen. Heute ist Ismaili, der regelmäßig Kritik an der Regierung äußert, auch in der Politik tätig. Er kooperiert mit der sozialdemokratischen Oppositionspartei PSD und ist Abgeordneter im Parlament des Kosovos.

Der politische Alltag im Kosovo unterscheidet sich kaum von dem anderer Staaten. Ein Thema ist aber omnipräsent: Das Land wird lediglich von 112 der 193 UN-Mitgliedsstaaten anerkannt – Serbien zählt nicht dazu. Auch die EU-Länder Griechenland, Rumänien, Slowakei, Spanien und Zypern haben den Kosovo bis dato nicht als eigenständigen Staat anerkannt, was ein massives Hindernis auf dem Weg des Kosovos in die Europäische Union darstellt. Dennoch gibt man im Kosovo die Hoffnung auf einen EU-Beitritt und auf die Beilegung des Konfliktes mit Serbien nicht auf – genau diese Hoffnung soll auch das NEWBORN-Monument in Pristina symbolisieren.  

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