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Postbllok: Ein Blick in Albaniens Vergangenheit


Ein Teil der Berliner Mauer, ein Bunker und Betonträger vom Arbeitslager Spaç: Zusammen ergeben sie das Postbllok-Mahnmal. Albaniens kommunistische Vergangenheit soll dort aufgearbeitet werden.

Seit ihrem Fall im Jahr 1989 sind Teile der Berliner Mauer in der ganzen Welt verstreut. Die Stadt Berlin hat hunderte einzelne Stücke der berühmten Mauer anderen Ländern, Städten und Institutionen zum Geschenk gemacht und heute zieren sie unter anderem New York, Budapest oder die Vatikanstadt. Auch in Albaniens Hauptstadt Tirana findet sich ein kleines Stück der Mauer. Als Teil der 2013 installierten Postbllok-Gedenkstätte soll es an die kommunistische Vergangenheit Albaniens unter Enver Hoxha, die damals vorherrschende Isolation der Bevölkerung und an die politischen Gefangenen des Regimes erinnern.

Auch ein Stück der Berliner mauer ist Teil des Postbllok Denkmals.

Das Fragment der Berliner Mauer stand einst am Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Ramona Arzberger

Bunker und Gefängnisse

Nachdem er zuvor als Partisan gegen die faschistischen Besatzungsmächte gekämpft hatte, richtete der Kommunistenführer 1944 ein autoritäres Regime ein. Unter Hoxhas Diktatur war die Bevölkerung komplett von der Außenwelt isoliert, während im Land rund 200.000 Bunker entstanden. Oppositionellen drohte die politische Verfolgung durch die Sigurimi, Albaniens Geheimpolizei. 59.009 Menschen wurden damals verschleppt und interniert. 7.022 von ihnen starben in den knapp 50 Gefängnissen und Arbeitslagern des Landes. All das, was die dunkle Vergangenheit Albaniens ausmachte, spiegelt sich heute in der Erinnerungsstätte am Bulevardi Deshmoret e Kombit, gegenüber des Regierungssitzes in Tirana wider.

Der „Checkpoint“ – so lautet die englische Bezeichnung des Mahnmals – setzt sich aus drei Teilen zusammen. Neben dem Stück der Berliner Mauer zählt ein Bunker, von dem unter Hoxha der Zutritt in das nahegelegene Viertel Blloku überwacht wurde, zum Denkmal. Im Blloku-Viertel durften einst nur die höchsten Vertreter von Albaniens kommunistischer Partei wohnen. Tiranas restlicher Bevölkerung blieb der Zutritt verwehrt. Auch Hoxha selbst lebte hier. Seit dem Ende der Diktatur ist der „Block“ ein beliebtes Ausgehviertel: Wo früher die Parteielite residierte, macht Albaniens Jugend heute Party.

Der dritte Teil der Gedenkstätte ist nur wenige Meter vom Bunker entfernt. Aus Stützbalken aus der Kupfermine Spaç wurde ein Denkmal gebaut. In Spaç war Albaniens berüchtigstes Arbeitslager. Die Mine galt als Ort, der in seiner Grausamkeit mit dem Konzentrationslager Mauthausen verglichen werden könne, wie der frühere Gefangene Weihbischof Zef Simoni 2005 erzählte. Auch der Dissident Fatos Lubonja war 13 Jahre in Spaç interniert. Gemeinsam mit dem Künstler Ardian Isufi konzipierte er Postbllok und setzte es 2013 um.

Von diesem Bunker wurde einst Hoxhas Wohnviertel Blloku bewacht. Foto: Ramona Arzberger

Dunkle Vergangenheit, schwierige Aufarbeitung

Dass die Gedenkstätte zur Erinnerung an die Vergangenheit erst so spät installiert wurde, ist symptomatisch für den Aufarbeitungsprozess in Albanien. Nach dem Fall des Regimes 1990 verging viel Zeit bis sich in den Köpfen der Bevölkerung ein Wandel einstellte. „Zu viel Zeit“, sagt Gentiana Sula vom Sigurimi-Archiv. Die Akten der albanischen Geheimpolizei gab das Parlament erst 2015 für die damals Verfolgten frei.

Auch Museen, die sich mit der Vergangenheit befassen, sind erst in den letzten zehn Jahren entstanden.  Die beiden Bunk’Art-Museen in Tirana, die 2014 und 2016 eröffnet wurden, das im ehemaligen Sigurimi-Hauptquartier angesiedelte und 2017 in Betrieb genommene House of Leaves oder die 2014 eröffnete Site of Witness and Memory, ein ehemaliges Gefängnis in Shkodra sind einige davon. Wie die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung in einem im Dezember 2017 erschienenen Bericht anmerkte, gäbe es auf gesetzlicher und gesellschaftlicher Ebene dennoch sehr viel mehr Verbesserungspotential in puncto Vergangenheitsbewältigung. Postbllok markiert den Anfang davon, damit Albanien nie wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird.

Die Kupfermine Spaç war Albaniens berüchtigstes Arbeitslager. Auch hier ist eine Umwandlung in ein Museum im Gespräch.

Die Kupfermine Spaç war Albaniens berüchtigstes Arbeitslager. Auch hier ist eine Umwandlung in ein Museum im Gespräch. Foto: Ramona Arzberger

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